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Für Paare und Familien


 

Bert Hellinger ist während seiner fünfundzwanzig jährigen paartherapeutischen Arbeit zu der Einsicht gelangt, dass viele Männer und Frauen durch generationsübergreifende Verstrickungen an ihre Herkunftsfamilie gebunden sind. Diese vielfach als besonders leidvoll erlebten Verstrickungen lasten meist schwer auf der gegenwärtigen Paarbeziehung. Hellingers mehrere Generationen einbeziehende therapeutische Vorgehensweise bringt die Verstrickungen ans Licht und macht sie für das Paar nachvollziehbar. Die vielfach überraschenden therapeutischen Lösungsmöglichkeiten können Sie in einer Familienaufstellung entdecken.

 

„Liebe gelingt durch Einsicht in die Grundordnungen des Lebens. Diese Ordnungen werden nicht erfunden, sondern sie werden entdeckt. So bin auch ich zu diesen Erkenntnissen gekommen: durch langes Hinschauen herauszufinden, was passiert, wenn sich Menschen in einer bestimmten Weise verhalten. Nicht nur was unmittelbar passiert, sondern was über Generationen geschieht.

Durch diese Langzeitbetrachtung kann man herausfinden, welche Ordnungen gelten. Deswegen gilt auch hier, wenn ich von diesen Ordnungen rede, hinzuschauen, ob es so ist, auch wenn manches vielleicht anstößig erscheinen mag. Aber die Wirklichkeit steht manchmal im Gegensatz zu unseren Wünschen. Wenn wir genau hinschauen, können wir überprüfen, ob etwas gilt oder nicht. Und wenn es andere, neue Einsichten gibt, dann füge ich mich ihnen. All diese Erkenntnisse sind ja wie das Leben auch im Fluss. Sie wachsen Schritt für Schritt.

Ich lade Sie ein, mit mir auf diesen Erkenntnisweg zu gehen, um herauszufinden, wie Liebe gelingt.“ Bert Hellinger

 


Die Bindung und ihre Folgen

 

Wenn nun der Mann die Frau zur Frau nimmt und die Frau den Mann zum Mann nimmt, dann vollziehen sie die Liebe als Mann und Frau. Dieser Vollzug der Liebe hat eine tiefe Wirkung in der Seele. Durch ihn werden Mann und Frau unauflöslich aneinander gebunden. Danach sind sie nicht mehr frei, auch wenn sie es wollen.

 

Ich erläutere das an einigen Beispielen:

Wieso ist es so schmerzlich, wenn sich ein Paar trennt? Wieso kommt es bei einer Trennung zu diesen heftigen Auseinandersetzungen? Und wie kommt es zu diesen schmerzlichen Gefühlen von Versagen und Schuld bei einer Trennung? Es kommt dazu, weil es eine Bindung gibt.

Wenn ein Mann und eine Frau, die durch den Vollzug der Liebe aneinander gebunden sind, sich trennen, und sie suchen und finden einen neuen Partner, dann werden sie sehr bald feststellen, dass die Bindung an den zweiten Partner nicht die gleiche ist, wie die an den ersten, weil die erste Bindung weiterwirkt. Deswegen ist auch das Gefühl des Schmerzes und der Schuld bei der Trennung von einem zweiten Partner geringen, als das das von einem ersten, und von einem dritten Partner noch geringer, und ab dem vierten tut es kaum noch weh.

Wenn es frühere Bindungen gibt, heißt das nicht, dass spätere Beziehungen nicht gelingen. Doch sie gelingen nur unter der Bedingung, dass die frühere Partnerschaft geachtet und gewürdigt wird. Wenn ich mit Menschen arbeite, die sich in so einer Situation befinden, lasse ich zum Beispiel den ersten Mann zu seiner Frau sagen: „Meine Liebe bleibt“. Das ist ein schönes Wort. Dadurch ist die Frau geachtet und in der Regel versöhnt. Wenn es nicht geschieht, führt es zu seltsamen Verstrickungen, denn dann wird der frühere Partner in der neuen Beziehung von einem Kind vertreten, ohne dass es dem Kind oder sonst jemandem bewusst ist.

 



Generationsübergreifende Verstrickungen und wie man sie löst

 

In Familien gibt es ein tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Ausgleich. Die Familie und die Sippe verhalten sich, als hätten sie eine gemeinsame Seele. Diese gemeinsame Seele achtet darauf, dass es in der Familie einen Ausgleich gibt zwischen Gewinn und Verlust und zwar über die Generationen hinweg. Wenn sich z. B. ein Mann leichtfertig von seiner ersten Frau getrennt hat, ihr damit weh getan hat und diese Frau ihm böse ist, dann erlebt er vielleicht, dass seine Tochter aus der zweiten Ehe auf ihn böse wird, und dass sie ihm gegenüber genau die gleichen Gefühle hat wie diese erste Frau.

Die Lösung wäre, dass dieser Mann seiner ersten Frau sagt: „Ich habe dir Unrecht getan. Es tut mir leid. Ich achte, was du mir geschenkt hast. Deine Liebe war groß und meine auch, und sie darf so bestehen bleiben.“ Dann kann man beobachten, dass die erste Frau freundlich wird, weil sie geachtet wird. Der Mann kann ihr noch sagen: „Schau, das ist jetzt meine neue Frau, mit ihr habe ich diese Kinder. Bitte schau freundlich auf uns.“ Die erste Frau stimmt in der Regel gerne zu. Die erste Bindung wird dadurch auf eine gute Weise gelöst.

Wenn man mit der Tochter therapeutisch arbeiten würde, könnte sie dem Vater sagen: „Das hier ist meine Mutter, und ich bin ihr Kind. Mit deiner ersten Frau habe ich nichts zu tun. Ich halte mich an euch. Was zwischen euch Großen war, das geht mich nichts an. Bitte schau auf mich als dein Kind, und ich nehme dich als meinen Vater.“

Zur Mutter könnte die Tochter sagen: „Du bist für mich die einzig Richtige. Mit Papas erster Frau habe ich nichts zu tun. Ich stelle mich jetzt neben dich. Bitte schau auf mich als deine Tochter, und ich nehme dich als meine Mutter.“ Wenn sie dann noch hinzufügt: „Du bist die Große, ich bin die Kleine“, dann hat sie ihren Platz in der Familie, und die frühere Beziehung kann nicht mehr auf eine schlimme Weise in die Gegenwart herein wirken.

 

Die Größe der Sexualität

 

Durch den Vollzug der Liebe entsteht eine tiefe Bindung zwischen Mann und Frau. Diese Bindung ist unauflöslich, und zwar nicht durch die Eheschließung, sondern durch den Vollzug der Liebe. Sogar bei Inzest oder auch bei einer Vergewaltigung entsteht oft diese Bindung. Das sagt etwas über die Größe der Sexualität.

Manche meinen, die Sexualität sei etwas Übles. Jedoch sie ist ein mächtiger Trieb, und sie ist unwiderstehlich. Die Sexualität bringt das Leben gegen alle Hindernisse voran. In diesem Sinne ist die Sexualität größer als die Liebe. Sie wird natürlich besonders groß, wenn sie mit Liebe vollzogen wird. Wenn die Partner sich dabei in die Augen schauen, wird es ein Vollzug ihrer gegenseitigen Liebe. Das Anerkennen der Größe des Vollzugs ist die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen der Liebe.

Es gibt den bösen Spruch: „Die Männer wollen nur das eine, und die Frauen wollen das andere.“ Also jener Partner, der das eine will, der will das richtige. Manchmal kommt es bei einem Paar rund um den Vollzug der Liebe zu einem geheimen Machtspiel. Wenn z. B. der eine will und begehrt, und der andere es nur gewährt, dann nimmt er eine Position der Überlegenheit an. Der Partner, der braucht und begehrt, kommt dadurch in ein unterlegene Position, und das zerstört die Liebe. Die Liebe beruht auf der Ebenbürtigkeit im Begehren und Gewähren. Die Liebe gelingt nur, wenn beide Partner sich sicher sind, dass ihr Begehren beim anderen aufgehoben ist, dass sie also beide mit Liebe begehren und mit Liebe gewähren. Dass das natürlich mit Rücksichtnahme verbunden sein muss, versteht sich von selbst.

 


Geben und Nehmen

 

Die Ebenbürtigkeit in der Paarbeziehung, die sich in dem Vollzug der Liebe grundlegend äußert, setzt sich auch in anderen Lebensbereichen fort. Die Paarbeziehung gelingt durch den ständigen Ausgleich von Geben und Nehmen, verbunden mit der Liebe.

Ein Beispiel: Ein Mann schenkt seiner Frau etwas, weil er sie liebt. Sobald er ihr sein Geschenk überreicht hat, ist er in einer überlegenen Position. Er ist der Geber, die Frau nimmt. Aber sie spürt jetzt, weil sie genommen hat, dem Mann gegenüber eine Verpflichtung. Sie versucht auszugleichen,

indem auch sie ihm etwas gibt, und weil sie ihren Mann liebt, gibt sie ihm zur Vorsicht etwas mehr als er ihr geschenkt hat. Jetzt kommt der Mann unter den Druck der Verpflichtung. Er versucht auszugleichen, und weil er seine Frau liebt, gibt auch er ihr etwas mehr. So kommt durch das Bedürfnis nach Ausgleich, verbunden mit der Liebe, ein sich steigernder Austausch zustande, ein großer Umsatz von Geben und Nehmen. Das bindet das Paar noch inniger aneinander, und so wächst in dem Paar das Glück. Dieser Austausch im Guten ist ein Eckpfeiler einer guten Paarbeziehung.

Nun gibt es in vielen Ehen aber auch Situationen, wo der eine Partner dem anderen etwas antut, was diesen verletzt. Auch hier hat der Partner, dem etwas angetan wurde, das Bedürfnis auszugleichen. Er hat ein Bedürfnis nach Rache. Also tut dieser Partner dem anderen auch etwas Böses an, aber oft, weil er sich im Recht fühlt, tut er ihm etwas mehr des Bösen an. Dadurch hat der andere auch wieder ein Recht, dem Partner etwas Böses anzutun, und auch er tut dem anderen aus dem Gefühl des Rechts heraus etwas mehr des Schlimmen an, und so steigert sich das Böse. Es entsteht ein intensiver Austausch, jedoch im Schlimmen. Auch dieser Austausch bindet das Paar aneinander, aber zu seinem Unglück.

Es gibt jedoch eine einfache Regel, wie man aus diesem Teufelskreis aussteigen kann: Genauso, wie man beim guten Austausch aus Liebe dem Partner etwas mehr des Guten gibt, so tut man beim schlechten Ausgleich aus Liebe dem Partner etwas weniger des Bösen an! Dadurch kann der Austausch im Guten wieder beginnen. Das ist eine einfache, jedoch sehr nützliche Regel

 

Der Ausgleich von Geben und Nehmen ist eine Voraussetzung für die gelungene Partnerschaft. Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder alles geben kann, und auch nicht jeder alles nehmen kann. Jeder ist beschränkt in dem, was er geben kann und in dem, was er nehmen kann. Dadurch wird dem Geben und Nehmen von vornherein eine Grenze gesetzt.

Zur gelungenen Partnerschaft gehört auch, dass man nur soviel gibt, als der andere nehmen kann. Und nur soviel nimmt oder will, als der andere geben kann. Das ist von vornherein eine Begrenzung. Aber das Merkwürdige ist, wenn man sich einmal darauf einstellt, kann das Geben und Nehmen später noch wachsen.

 


Die Familie des Partners mitheiraten

 

Wenn ein Paar zusammen findet, haben die Partner gewisse Anfangsschwierigkeiten. Sie kommen häufig daher, dass beide aus verschiedenen Familien stammen. Während meiner jahrzehntelangen therapeutischen Arbeit mit einzelnen und mit Paaren habe ich beobachtet, wie das Gewissen wirkt: Es sagt nichts aus über Gut und Böse! Denn sonst könnten ja nicht so viele Menschen guten Gewissens soviel Böses anrichten.

Die wichtigste Funktion des Gewissens ist, dass es das Kind an seine Familie bindet. Das Gewissen reagiert ganz fein auf das, was das Kind tun oder lassen muss, damit es zu dieser Familie gehört. Deswegen hat ein Kind eine gutes Gewissen, wenn es sich so verhält, dass es zu seiner Familie gehören darf. Es hat jedoch ein schlechtes Gewissen, wenn es etwas tut, von dem es fürchten muss, dass dadurch sein Recht auf Zugehörigkeit gefährdet wird. Was jedoch in der einen Familie als Bedingung der Zugehörigkeit angesehen wird, gefährdet in einer anderen Familie das Recht auf Zugehörigkeit.

Zum Beispiel gehörte es früher in bestimmten Familien dazu, dass man katholisch ist. Wer von diesem Glauben abfiel, wurde aus der Familie ausgestoßen. In bestimmten protestantischen Familien war es eine Bedingung der Zugehörigkeit, dass man protestantisch war. Wenn ein Partner aus einer katholisch geprägten Familie und der andere aus einer protestantisch geprägten Familie kam, dann hatten oft beide ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Partnerschaft. Sie fürchteten, dass sie ihre Zugehörigkeit zu ihren Ursprungsfamilien verloren hatten. Oft begann zwischen diesen Partnern ein geheimer Kampf, bei dem es darum ging, welche Religion den Sieg davontragen wird.

Damit eine Paarbeziehung gelingt, muss jeder der Partner seine eigene Familie verlassen. Nicht nur im äußeren Sinne, sondern jeder muss auch einige Prinzipien, die in seiner Familie gelten, lassen und mit seinem Partner neue Prinzipien aushandeln, die sozusagen beiden Familien gerecht werden. Auf dieser neuen Ebene kann das Paar eine innige Beziehung leben.

Manche sagen: „Meine Familie ist okay, aber die des Partners ist schlecht.“ Das wirkt wie Gift für die Paarbeziehung. Wer einen Partner heiratet, der muss die Familie des anderen mitheiraten. Das heißt, der muss die Familie des Partners achten und lieben, als wäre es der Partner selbst. Nur dann kann diese Liebe gelingen.

 

Schicksalsschläge in der Paarbeziehung

 

Manche Paare haben ein besonderes Schicksal. Zum Beispiel, wenn einer der Partner keine Kinder bekommen kann, jedoch der andere Kinder haben möchte. Derjenige, der keine Kinder bekommen kann, hat ein persönliches Schicksal. Er kann nicht verlangen, dass der andere mit ihm dieses Schicksal teilt. Der der dieses Schicksal hat, muss daher den anderen innerlich freigeben. Wenn sein Partner dennoch bei ihm bleibt, dann ist das ein besonderes Geschenk. Es muss aber als besonderes Geschenk gewürdigt werden. Das ist nicht einzufordern. Wenn dann z. B. der Mann der Frau sagt: „Es ist ein besonderes Geschenk, dass du bei mir bleibst, obwohl ich keine Kinder zeugen kann. Ich achte das ganz tief. Du sollst dich auf mich in besonderer Weise verlassen können“, dann ist das wie ein Ausgleich in Liebe. Dann können sie beieinander bleiben.

 



Die Paarbeziehung hat Vorrang vor dem Eltern-Sein

 

Für die Paarbeziehung ist wichtig, dass sie Vorrang hat vor dem Eltern-Sein, denn das Eltern-Sein ist eine Fortsetzung der Paarbeziehung. Wenn z. B. ein Paar Schwierigkeiten hat und mich um einen Rat bittet, dann frage ich oft: „Was hat Vorrang, Eltern-Sein oder Partnerschaft?“ Denn wenn das Paar Kinder hat, nimmt das Eltern-Sein oft die ganze Energie in Anspruch, und für die Paarbeziehung bleibt wenig übrig. Aber die Liebe der Eltern für ihre Kindern nährt sich aus der Paarbeziehung, sie ist eine Fortsetzung davon. Wenn also die Paarbeziehung wieder den ersten Rang einnehmen darf, dann gelingt auch das Eltern-Sein besser. Und vor allem: Kinder, die erleben, dass ihre Eltern einander als Paar lieben, fühlen sich sehr glücklich.

 

Die Paarbeziehung ist die „Hoch-Zeit“ des Lebens

 

Ich möchte zu Beginn etwas sagen über die Paarbeziehung. Die Paarbeziehung ist die Vollendung des Lebens. Das Kind und dann der Jugendliche entwickeln sich auf die Paarbeziehung hin. Das ist das Ziel. Manche entwickeln sich mit einer großen Erwartung auf die Paarbeziehung hin. Diese hohe Erwartung ist berechtigt. Denn die Paarbeziehung ist, wenn sie gelingt, die „Hoch-Zeit“ des Lebens. Darauf hin entwickelt sich alles.

 

Nun ist es aber so, dass der Übergang zur Paarbeziehung und zur Elternschaft einen Verzicht auf die Kindheit und Jugend beinhaltet. Mit der Paarbeziehung geht man über eine Schwelle und kann nicht mehr zurück. Die Kindheit und die Jugend sind vorbei. Eine der Schwierigkeiten in der Paarbeziehung besteht darin, dass man die Jugend in die Paarbeziehung hinüber retten möchte. Das geht nicht, das ist vorbei. Menschliche Entwicklung geht immer so vor sich, dass wir über eine Schwelle gehen. Wenn wir über dieser Schwelle sind, ist alles anders, und wir können nicht mehr zurück. Das Grundbeispiel dafür ist die Geburt. Im Mutterschoß ist es schön für das Kind. Aber auf einmal hält es das Kind nicht mehr aus. Es muss über die Schwelle. Dort ist alles anders. Es kann nicht mehr zurück.

 

Die nächste große Schwelle ist dann die Heirat und die Elternschaft. Die Jugend ist vorbei. Man kann nicht mehr zurück. Die Paarbeziehung gelingt, wenn wir über diese Schwelle nach vorne schauen, statt zurück.

 


Wenn man den Partner umerziehen will

 

Männer und Frauen sind verschieden, wie ihr ja merkt. Und zwar nicht nur körperlich, sondern in jeder Hinsicht. Wenn sich jemand auf eine Paarbeziehung einlässt, dann lässt er sich auf etwas ein, was ihm fremd ist. Der Mann lässt sich auf eine Frau ein, und die Frau ist ihm ein Rätsel. Umgekehrt ist für die Frau der Mann ein Rätsel.

 

Zur Wertschätzung gehört, dass man anerkennt, dass der andere gleichviel wert ist, obwohl er anders ist. Das ist die Grundlage der Wertschätzung. Der Partner ist anders, aber richtig. Jeder Versuch, den Partner anders machen zu wollen als er ist, ihn sozusagen sich selbst mehr anzugleichen, ist zum scheitern verurteilt und zerstört die Beziehung.

Wenn man anerkennt, dass der Mann auch richtig ist, oder dass die Frau auch richtig ist, dann gibt man etwas von sich selber auf. Man ist plötzlich damit konfrontiert, dass Verschiedenes gleich richtig ist, obwohl es verschieden ist. Das ist die Grundlage der Wertschätzung. So, wie du bist, obwohl du ein Mann bist und ich eine Frau, bist du richtig. Und umgekehrt, obwohl du eine Frau bist und ich ein Mann und ganz anders bist als du, bist du richtig. Damit gibt jeder etwas von sich auf, und es entsteht die Wertschätzung. Der andere wird dann zu einer Bereicherung. Es kommt etwas hinzu. Zum Weiblichen kommt etwas hinzu, zum Männlichen kommt etwas hinzu. Das ist dann die größere Einheit.

 

Partner bleiben durch abgetriebene Kinder aneinander gebunden

 

Wenn es eine Beziehung gab, in der ein Kind entstand, auch wenn es dann abgetrieben wurde, bleiben die Partner aneinander gebunden. Dadurch ist es schwer, eine neue Beziehung einzugehen. Zuerst muss die frühere Beziehung auf eine gute Weise gelöst werden. Zur Lösung gehört, dass der Partner geachtet wird. Und dass der Schmerz der Trennung geachtet wird.

Ebenso, dass das abgetriebene Kind geachtet wird. Dass der Schmerz und die Trauer um das abgetriebene Kind zugelassen werden und es einen Platz bekommt im Herzen der Eltern. Es kann etwas dauern, bis das hochkommt. Wenn das hochkommt, kann man sich in Achtung verabschieden. Dann kann sich der Mann der neuen Frau zuwenden. Aber die frühere Partnerin muss weiterhin geachtet werden und ebenso das Kind.

Bert Hellinger


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